Momentan sind wir für einen heißen Monat zum Housesitting in Florenz. Housesitting trifft es nicht ganz, Stadtwohnung-Sitting wäre treffender. Wir hüten eine zentrale, großzügige Erdgeschosswohnung mit einem kleinen tropischen Garten, der auch zu einem Boutique-Hotel auf Bali gehören könnte. Es gibt einen kleinen Teich mit circa achtzig Goldfischen, einen Olivenbaum, einen Eukalyptusbaum, Palmen und sogar einen feinen Kräutergarten. Gerade habe ich mir in der DeLonghi-Maschine in der Küche einen Lavazzo-Espresso gemacht und sitze nun mit meinem Laptop am Tisch.
Was ist Slow Travel, habe ich Perplexity gefragt. Hier die Antwort der KI: Slow Travel ist eine nachhaltige und bewusste Reiseform, bei der man sich Zeit nimmt, um eine Region intensiv und authentisch zu entdecken, anstatt viele Orte schnell zu besuchen.

Langzeitreisende leben mehr wie die Einheimischen
Vorgestern waren wir zum Beispiel den halben Tag in Museen. Wir haben die Uffizien, den Palazzo Pitti und den Bobili-Garten besucht. Für lau. Wie das geht? Jeden ersten Sonntag im Monat sind im Rahmens des Programms „Sonntag im Museum“ ein halbes Dutzend Museen in Florenz für Touristen kostenlos. Das ist einer der Vorteile des Langzeitreisens: Wer lange genug an einem Ort ist, kann solche Gelegenheiten ergreifen. Wer länger an einem Ort ist, hat die Muße, die Stadt zu erkunden und findet dabei im Zweifel die besseren Deals.
Der Museumstag war nicht der einzige Deal, den wir an dem Tag gefunden haben: Nicht mal 200m vom Duomo di Firenze entfernt haben wir beim Spazieren gehen eine nette Pizzeria entdeckt, die zwei „Slices of Pizza“ und einen Drink für 7,50 Euro anbietet. Für geschmeidige 15 Euro haben wir dort zu Mittag gegessen, Lola hat einen Aperol Spritz und ich ein großes Bier vom Fass zu der hervorragenden Pizza getrunken.



Shopping, Sonne und Streetfood machen Slow Travel sexy
Am Dienstag sind wir mit dem Bus (1,70 Euro pro Strecke) zum Mercato delle Cascine gefahren. Dieser große Markt für neue und gebrauchte Mode findet nur einmal die Woche statt. Wer also von Mittwoch bis Sonntag eine Städtereise macht, wird ihn verpassen. Dort haben wir Sommerhemden für drei Euro, Gürtel für zwei Euro und FlipFlops für einen Euro gekauft. Mit einem leckeren Porchetta-Sandwich (Schweinebratenscheiben, Paprika und Zwiebeln) von einem Imbissstand haben wir uns auf eine Parkbank am Ufer des Arno gesetzt. Ein perfekter Shopping-Vormittag in der Sonne, echtes Streetfood inklusive.
Was macht Slow Travel für uns so attraktiv?
Slow Travel zerstört das FOMO-Gefühl, das eigentlich jeder empfindet, wenn er Urlaub macht. Weil man als Langzeitreisender gefühlt alle Zeit der Welt hat, packt man die Tage nicht so voll und kann so auch mehr Mahlzeiten zu Hause einnehmen – statt zwangsläufig ins Restaurant gehen zu müssen.
Wir gehen sehr gerne essen, aber in Ruhe und gezielt – nicht weil man so viele Programmpunkte hat, dass man „einfach schnell irgendwo etwas essen geht“.
Dreh- und Angelpunkt für das Slow Traveling ist für uns das Housesitting. Es ginge sicherlich auch, wenn man mit einem Camper unterwegs ist oder natürlich auch, wenn man sehr wohlhabend ist.